Reichsadler

Im nördlichen Querhaus des Bonner Münsters schmückt eine monumentale Darstellung des Reichsadlers die Wand. Dieses Fresko samt Inschrift ist weniger unter künstlerischen Aspekten wertvoll, erinnert aber an ein Aufsehen erregendes Kapitel der Bonner Stadtgeschichte. 1795 dichtete Friedrich Schiller:

 

Um das Zepter Germaniens stritt mit Ludwig dem Bayer
Friedrich aus Habsburgs Stamm, beide gerufen zum Thron;

Aber den Austrier führt, den Jüngling, das neidische Kriegsglück
In die Fesseln des Feinds, der ihn im Kampfe bezwingt.

Mit dem Throne kauft er sich los, sein Wort muß er geben,
Für den Sieger das Schwert gegen die Freunde zu ziehn;

Aber was er in Banden gelobt, kann er frei nicht erfüllen;
Siehe, da stellt er aufs neu willig den Banden sich dar.

Tief gerührt umhalst ihn der Feind, sie wechseln von nun an,
Wie der Freund mit dem Freund, traulich die Becher des Mahls.

Arm in Arme schlummern auf einem Lager die Fürsten,
Da noch blutiger Haß grimmig die Völker zerfleischt.

Gegen Friedrichs Heer muß Ludwig ziehen. Zum Wächter
Bayerns läßt er den Feind, den er bestreitet, zurück.

„Wahrlich! So ist’s! Es ist wirklich so! Man hat mir’s geschrieben.“
Rief der Pontifex aus, als er die Kunde vernahm.

Gemeint ist Friedrich (»der Schöne«) von Österreich, der 1314 nach der Krone des Heiligen Römischen Reiches griff. Da die wahlberechtigten Kurfürsten sich nicht auf einen Kandidaten einigen konnten, wurde auch Ludwig, sein Vetter, in Aachen gekrönt. Friedrich musste nach Bonn ausweichen, da die Kölner ihrem Erzbischof eine Krönung in ihrer Stadt nicht gestatten wollten. Nur 32 Jahre später, im November 1346, wurde dann Karl IV. in Bonn gleichsam provisorisch zum römisch-deutschen (Gegen-)König gekrönt, bevor die eigentliche Zeremonie drei Jahre später in Aachen (an dem seit Karl dem Großen üblichen Ort) stattfand. Als Karl IV. 1355 römisch-deutscher Kaiser wurde, gewährte der dankbare Monarch den gastfreundlichen Bonnern zahlreiche Privilegien.