Reichskrone

Die Reichskrone ist die Krone der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches seit dem Hochmittelalter. Die meisten römisch-deutschen Könige seit Konrad II. wurden mit ihr gekrönt. Bei der Krönung wurde sie zusammen mit dem Zepter und dem Reichsapfel an den neuen König übergeben. Aktuell wird die Reichskrone zusammen mit den Reichskleinodien in der Wiener Schatzkammer in der Hofburg aufbewahrt.


Die Krone ist nicht rund, sondern achteckig. Wahrscheinlich ein Bezug zur achteckigen Pfalzkapelle des Aachener Doms, in der der Thron Karls des Großen steht. In der christlichen Zahlensymbolik des Mittelalters ist die Acht die Zahl des glücklichen Anfangs, des Neubeginns, denn mit dem achten Tag beginnt eine neue Woche. Seit den Kirchenvätern ist der „achte Tag“ der Tag der Auferstehung Christi. Und die der geistigen Wiedergeburt, es ist auch die Zahl der Taufe und der Auferstehung, Symbol des Neuen Bundes und Symbol des Glücks. Weil nach biblischer Überlieferung acht Menschen die Sintflut überlebt haben, symbolisiert die Zahl „acht“ auch den Bund Gottes mit den Menschen. Der mit der Reichskrone gekrönte König oder Kaiser ist hervorgehobener Bundesgenosse Gottes.

 

Die einzelnen Platten der Krone sind aus gediegenem Gold, von Perlen und Edelsteinen durchsetzt. Insgesamt wurden 240 Perlen (davon 144 größere und 96 kleinere) und 120 Steine (84 größere und 36 kleinere) verarbeitet; alle Zahlen sind durch 12 teilbar und symbolisierten für die für christliche Symbole sehr empfänglichen Christen des Mittelalters sowohl die 12 Apostel wie die 12 Stämme Israels.


Seit dem 14. Jahrhunndert fehlt der prominenteste Edelstein des Mittelalters, der sogenannte Waise (lat. orphanus). Zu diesem Stein schrieb Albertus Magnus um das Jahr 1250: „ Der Waise ist ein Edelstein in der Krone des Römischen Kaisers. Weil er niemals sonst irgendwo gesehen war, wird er der »Waise« genannt. Er hat eine Farbe wie Wein, wie zartes Weinrot, und es ist, wie wenn das blendende, leuchtende Weiß des Schnees in das helle Weinrot eindringt und dabei doch das Rot beherrschend bleibt. Dieser Edelstein glänzt stark und es heißt, er habe einst sogar bei Nacht geleuchtet; doch das tut er in unserer Zeit nicht mehr. Wohl aber wird gesagt, dass er die Ehre des Reiches bewahre.“


Im Jahre 1350 wird der „Waise“ im Übergabeinventar der Reichskleinodien an Karl IV. zum letzten Mal erwähnt.