1200 Menschen begleiten die Schließung des Bonner Münsters

Mehrjährige Generalsanierung beginnt - Letzter Gottesdienst - Schlüsselübergabe an Architekten und Planer - Festliche Prozession durch Bonn - Oberbürgermeister: Mein Herz schlägt fürs Bonner Münster - Christliche Konfessionen übermitteln Wünsche
23. Juli 2017; Reinhard Sentis (presse@katholisch-bonn.de)

 

BONN. Nach einem festlichen Gottesdienst wurde heute das Bonner Münster geschlossen. Rund 1200 Menschen waren gekommen, um Abschied zu nehmen. Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher übergab die Schlüssel an die Architekten und den Projektsteuerer, die jetzt die Generalsanierung der fast 1000 Jahre alten Basilika verantworten. An der Feier nahmen Bonns Oberbürgermeister Ashok Alexander Sridharan sowie Vertreter der christlichen Konfessionen und zahlreiche Ehrengäste teil.

Ein letztes Mal läuteten die 260 Jahre alten Münster-Glocken, bevor die Prozession durch die Innenstadt nach Sankt Remigius zog. Mit dabei auch die Reliquienbüsten der Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius und der Schrein der Heiligen Helena. Getragen wurden diese von Mitgliedern des Bonner Stadtsoldaten-Corps von 1872 e.V. und begleitet von der Cassius-Florentius-Bruderschaft und den Rittern vom Heiligen Grab.

 

„Für viele ist es so, als ob das Herz der Stadt stillgelegt wird, um es zu operieren. Wir werden alles daran setzen, dass die Operation nicht zu lange dauert – auch wenn wir uns auf mindestens zwei Jahre einstellen. Für Sie alle ist diese Stunde eine Stunde der Trauer und des Abschiednehmens von einem liebgewonnenen Ort. Ich bin tief bewegt, wie viele Menschen sich in den letzten Tagen in persönlichen Gesprächen oder auch in den sozialen Netzwerken zu unserem Münster bekannt haben und mit uns traurig sind, dass wir diesen Ort für eine Zeit verlieren“, erklärte Schumacher in der Predigt.

 

„Traurig sein dürfen wir, aber Jammern wollen wir nicht. Stattdessen fragen wir uns, welche Chance und welche Herausforderung bringt uns diese neue Situation“, erklärte der Stadtdechant. „Mit dem Auszug aus dem Münster verlieren wir unser Zuhause. Zwar finden wir Obdach in Sankt Remigius und der Schlosskirche, denen wir für die Gastfreundschaft danken. Aber es sind für uns Gottesdienstorte, kein Zuhause – wir werden zu Nomaden in mitten der Stadt“, erklärte er, fügte hinzu: „Und doch sehe ich in diesem Nomadendasein die Chance und Herausforderung dieser kommenden, mindestens zwei Jahre.“

 

Am Ende des Gottesdienstes erklang das Bonner Stadtpatronelied, welches auch den Bau des Münsters besingt: „Cassius, Florentius, Erde ward des Blutes Schale, unsre Heimat, euer Land. Und aus unsrer Väter Hand wuchs das Münster, euch zum Male, das der Zeiten Sturm bestand. Unsre Heimat, Euer Land.“ Für viele Menschen war dies ein zutiefst emotionaler Moment. Über den Gräbern der römischen Märtyrer wird schon im Jahr 691 eine erste Basilika urkundlich erwähnt, bevor Mitte des 11. Jahrhunderts der Grundstein für das heutige Münster gelegt wurde.

 

Oberbürgermeister: Mein Herz schlägt fürs Bonner Münster

„Das Bonner Münster ist die Keimzelle unserer Stadt und aus unserer Stadt nicht wegzudenken“, erklärte Oberbürgermeister Ashok Sridharan. „Es ist mir schwer ums Herz, jetzt das Bonner Münster zu verlassen.“, so Sridharan, der eng mit dem Bonner Münster verbunden ist. „Ich weiß das Bonner Münster bei Herrn Doktor Strack und Prof. Ulrich Hahn in guten Händen“, so der Bonner Oberbürgermeister. „Ich finde es wirklich überwältigend, dass so viele von Ihnen hier heute dabei sind. Ich danke Ihnen alle für dieses Zeichen und wünsche uns allen, dass der Bau gut verläuft, es keine Unfälle gibt, dass das notwendige Geld für die Sanierung zusammenkommt. Und ich bitte Sie darum: Spenden Sie für das Bonner Münster“, so der Oberbürgermeister, der mit den Worten schloss: „Mein Herz schlägt fürs Bonner Münster.

 

Die Gottesdienste werden ab sofort vornehmlich in der Remigius-Kirche aber auch in der evangelischen Schlosskirche im Hauptgebäude der Universität stattfinden. Dies griff der Vertreter der Evangelischen Kirche, Pfarrer Joachim Gerhardt in seinem Grußwort auf:

„Dass ihr in die Schlosskirche geht, ist für mich ein ganz starkes ökumenisches Zeichen, wie gut, wie vertrauensvoll wir Christinnen und Christen hier in der Stadt schon seit Generationen, beten und singen. Dass zweite ist, […] dass wir als Christen aller Konfessionen, die wir auch hier stehen, gemeinsam für die Stadt Verantwortung tragen im Geiste der Stadtpatrone, miteinander über alle Konfessionsgrenzen hinweg. Und da ist in den letzten 30 Jahren mehr passiert als in den 300 Jahren zuvor. Und da wird in den nächsten beiden Jahren noch mehr passieren, als wir uns das vorstellen.“

 

Erzpriester Sokraits Ntallis erinnerte an die Wirkung der Stadtpatrone Cassius und Florentius, die auch in der orthodoxen Gemeinde in Bonn eine entscheidende Rolle spielen. „Ich persönlich und meine Gemeinde wünschen der Münsterpfarrei, dass die Wirkung der Heiligen auch in dieser Zeit, wo die Kirche der Heiligen geschlossen ist, weiterhin als höchste Kraft der Stadt Bonn bleibt.

 

Prozession durch Bonn

Dann wurden die Türen verschlossen und Stadtdechant Wilfried Schumacher übergab den Schlüssel an den Projektleiter Dr. Ägidius Strack und die Architekten Prof. Dr. Ulrich Hahn und Jutta Pieper (Hahn+Helten). In den Segen schloss der Stadtdechant auch alle ein, die an dem Bau beteiligt sind und die Sanierung unterstützen.

 

Ein letztes Mal läuteten alle acht 260 Jahre alten Münster-Glocken bevor sich eine nicht enden wollende Prozession auf den Weg machte und über den Münsterplatz zur Remigius-Kirche zog. Dabei wurden auch die Reliquiare der Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius sowie der Schrein mit Reliquien der Heiligen Helena mitgeführt und am Hochaltar aufgestellt. Sehr herzlich begrüßte der Bonner Hochschulpfarrer die Gläubigen in der Remigius-Kirche, bevor alle gemeinsam das Te Deum, „Großer Gott wir loben dich“, sangen.

 

Hintergrund

Statische Probleme, Risse, Feuchtigkeit und veraltete Technik sind Gründe für eine der umfangreichsten Sanierung in der Geschichte des Münsters. Nach einer dreijährigen Planung und Bauanalyse beginnen nun die Vorbereitungen zur Generalsanierung. Sie geht einher mit einer voraussichtlich zweijährigen Schließung und wird derzeit auf 20,22 Millionen Euro geschätzt.

 

Das Erzbistum Köln wird einen Großteil der Kosten übernehmen. Mit der Initiative „Mein Herz schlägt fürs Bonner Münster“ lädt der Bonner Münster-Bauverein zu einer breit angelegten Unterstützung ein und bittet um Spenden für das Wahrzeichen der Stadt Bonn. (www.mein-bonner-muenster.de)

 

Vor fast 1000 Jahren wurde der Grundstein für das Bonner gelegt, welches sich über den Gräbern christlicher Märtyrer erhebt. Die Wurzeln dieser heiligen Stätte reichen jedoch bis in die Antike zurück. In diesem Gotteshaus spiegeln sich architektonisch die großen Geistesströme unseres Kontinents wider, weshalb der Bonner Historiker Heinrich Lützeler es einst als „Europäisches Monument“ bezeichnete.

 

Über 200 Jahre lang gab es eine rege Bautätigkeit am Münster und den umliegenden Gebäuden. Aber auch danach tat das Cassius-Stift und die Bonner Bevölkerung alles, um eine der bedeutendsten Kirchenanlagen des ganzen Rheinlandes zu erhalten. Dazu zählten auch viele Sanierungen bis zuletzt in den 80er Jahren. 

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