Bonner Münster: Grab von Erzbischof Siegfried von Westerburg wiederentdeckt

22. März 2017; Sebastian Eckert (presse@katholisch-bonn.de)

?	Christoph Keller, Archäologe, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ?	Dr. Gabriele Uelsberg, Direktorin, LVR-LandesMuseum Bonn) ?	Reinhard Sentis, Pressesprecher, Katholisches Stadtdekanat Bonn

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Inhalt der Zeitkapsel aus dem Jahr 1948 Teil der Grabkammer des Erzbischofs Siegfried von Westerburg

BONN. Überraschungsfund im Bonner Münster: Bei Untersuchungen der Westkrypta im zur bevorstehenden  Generalsanierung entdeckten die Architekten von Hahn+Helten hinter einer Schiefertafel ein Teil des Grabes des Erzbischofs Siegfried von Westerburg (1260– 1297).

 

Auslöser war eine Untersuchung von aufkommender Feuchtigkeit insbesondere an der Ostwand der heutigen Westkrypta. Um nötige Maßnahmen in der Westkrypta näher bestimmen zu können und den Wandaufbau genauer zu erfassen, wurden in den Schieferplatten Kernbohrungen durchgeführt. Dabei stieß man unten auf eine Lehmauffüllung und hinter der oberen Platte auf Teile einer Hohlkammer, die sich als Teil der Grabkammer für den Sarg des Erzbischofs Siegfried herausstellte.

 

In der gemauerten Kammer befinden sich Eisenstangen, auf denen einst den Sarg des Erzbischof stand. Zudem beinhaltete es Holzreste und eine Bleikapsel, die bei einer Grabung im Jahr 1948 darin eingeschlossen zeitgenössische Geldscheine und –Münzen sowie eine Urkunde, die Aufschluss über den Fund gibt. Darin wird von der Grabung im Jahr 1948 berichtet. Die Grabung im Bonner Münster fand von Mai 1947 bis März 1948 unter Leitung von Grabungsinspektor Peter Wieland vom Rheinischen Landesmuseum Bonn (heute LVR – LandesMuseum. Rheinisches Landesmuseum für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte) statt, um nach der früher vorhandenen Westkrypta am Bonner Münster zu suchen.

 

Dabei stieß man unter anderem auf die Grabstelle, die man dem Erzbischof Siegfried von Westerburg zuordnete. Das Grab wurde ausgeräumt und anschließend so belassen. Die Funde sind heute im LVR-LandesMuseum eingelagert. Archäologe Christoph Keller vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland erklärt: „Das ursprünglich gefundene Grab Siegfrieds war innen 2,25 x 0,88 groß, aus Tuffsteinen gemauert, innen verputzt und rot ausgemalt. Der Holzsarg ruhte ursprünglich auf drei Eisenträgern. Das Grab enthielt trotz der Beraubung 1794 noch ein Goldmedaillon, einen Fingerring sowie Mitra, Handschuhe und weitere Textilreste des bischöflichen Ornats.“

 

Siegfried von Westerburg ist einer von vier Kölner Erzbischöfen, die im Bonner Münster beerdigt wurden. Bereits sein Vorgänger, Erzbischof Engelbert II. von Heinsberg-Falkenburg, der von den Patriziern aus Köln vertrieben wurde, wählte Bonn als seine Residenz aus und ist ebenso im Bonner Münster beigesetzt worden wie noch zwei weitere Kölner Erzbischöfe.

 

Die heutige Westkrypta ist deutlich kleiner als die ursprüngliche Anlage. Im Zuge des erneuten Baus der Westkrypta bis in die 60er Jahre wurden offenbar Teile des Grabes abgebrochen, der Rest mit einer Schiefertafel verkleidet. „Überraschend an dem Fund ist, dass das Grab teils noch erhalten ist. Dass das Grab bei der Einrichtung der Westkrypta nicht vollständig abgebrochen wurde, zeigt auch, dass es sehr geschätzt wurde. Man nahm nur so viel weg wie nötig“, so Keller Der Fund des Restgrabs sei für die Wissenschaft spannend: „Das Grab und die jetzt geborgenen Reste werden jetzt mithilfe modernerer Methoden erneut analysiert“, berichtet Keller.

 

Generalsanierung: Münster schließt für mindestens zwei Jahre

„Es ist nicht der erste und wird auch sicherlich nicht der letzte Überraschungsfund sein“, erklärt Reinhard Sentis, Pressesprecher des Katholischen Stadtdekanates Bonn. Bereits 2016 hatte man eine bis dahin unbekannte Gruft in der Ostkrypta entdeckt. „Wir dokumentieren und archivieren zwar sehr sorgfältig, aber in den Archiven gerät dann auch einiges in Vergessenheit. Umso schöner, dass sich dann nachkommende Generationen an einer Wiederentdeckung erfreuen können.“ Der aktuelle Fund werde in die Planungen für die Generalsanierung einfließen.

 

Bröckelndes Mauerwerk, statische Probleme, Feuchteschäden und marode Haustechnik sind die Hauptursachen für die anstehende Generalsanierung des Bonner Münsters, die nach einer ersten Kostenschätzung mit 20,22 Mio. Euro beziffert wird. Im Januar 2014 begannen die Bauanalysen und Untersuchungen am Bonner Münster. Die Vorplanung ist weitgehend abgeschlossen und derzeit erfolgt die Detailplanung. Vermutlich in der zweiten Jahreshälfte 2017 sollen die vorbereitenden Maßnahmen beginnen. Dann wird das Münster auch für mindestens zwei Jahr schließen.

  

Bonner Münster: Grablege Kölner Erzbischöfe

Gegen die aufkommenden Patrizier versuchte der Kölner Erzbischof Engelbert II. von Heinsberg-Falkenburg seine Macht in Köln zu festigen und auszubauen, was er 1268 mit der Vertreibung bezahlte.

Daraufhin zog er nach Bonn und baute dort die erste Residenz der Kölner Erzbischöfe auf. Wie er, wurden noch drei weitere Kölner Erzbischöfe im Bonner Münster beigesetzt.

  • Engelbert II. von Falkenburg-Heinsberg (1220-1274): 37. Erzbischof von Köln (1261-1274)
  • Siegfried von Westerburg (1260-1297): 38. Erzbischof von Köln (1275-1297)
  • Heinrich II. von Virneburg (1246-1332): 40. Erzbischof von Köln (1304-1332)
  • Ruprecht von der Pfalz: (1427-1480): 47. Erzbischof von Köln (1463 1480)
 

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