Große Klais-Orgel im Bonner Münster wird abgebaut

Vorbereitung zur Generalsanierung - Demontage von 10.000 Einzelteilen - 5112 Orgelpfeifen müssen geschützt werden - 20 Tonnen Gesamtgewicht - Drei Generationen Klais in einer Orgel
31. August 2017; Sebastian Eckert (sebastian.eckert@katholisch-bonn.de)

 

BONN. Es ist eine logistische Meisterleistung und eine Mammutaufgabe dazu: Der Abbau der großen Klais-Orgel im Bonner Münster. Bevor die Generalsanierung der in Teilen 1000 Jahre alten Basilika beginnt und die Handwerker den Ton angeben, muss die „Königin der Instrumente“ auseinandergenommen und eingelagert werden.

 

Damit soll sichergestellt werden, dass das Instrument während der Sanierung keinen Schaden nimmt und danach annähernd so schön erklingen kann wie am ersten Tag. Dieser war der 12. November 1961, damals noch mit 60 Registern und 4616 Pfeifen. 1982 erweitert und neu intoniert besitzt die große Klais-Orgel im Bonner Münster heute 69 Register mit 5112 Pfeifen, verteilt auf vier Manuale und Pedal. Akustisch bietet sie „traumhafte klangliche und spieltechnische Möglichkeiten“, schwärmt Regional- und Münster-Kantor Markus Karas.

 

Die Fachleute der Firma Johannes Klais Orgelbau GmbH gehen dabei mit äußerster Präzision vor, damit später alle Pfeifen wieder am richtigen Ort platziert werden. Die kleinste Pfeife hat einen Durchmesser von nur wenigen Millimetern, während die großen Pfeifen mehrere Meter messen.

 

Doch nicht nur der Klangkörper verschwindet, sondern auch die für viele Menschen beeindruckende Verpackung. Der Bildhauer Manfred Saul schuf für die Münster-Orgel einen der größten geschnitzten Orgelprospekte Europas. Dieser sorgte seinerzeit für Kontroversen. Der Prospekt zeigt nicht nur biblische Szenen oder die sieben Lebensalter; festgehalten sind auch zeitgenössische Ereignisse wie beispielsweise die erste erfolgreiche Transplantation eines menschlichen Herzens und die ersten Astronauten im All und eine nackte Frau, die sich dem Organisten entgegenstreckt.

 

Abbau und Lagerung

Der Abbau ist keine einfache Aufgabe: Mehrere zehntausend Einzelteile, vom großen Gehäuse über kleinste Elektrokontakte hin zu winzigen Mechanikbauteilen, müssen innerhalb von vier Wochen fachgerecht gesichert werden.

 

Beim Abbau der Orgel wird zunächst das Pfeifenwerk ausgebaut und in Kisten eingelagert. „Die größte Pfeife hat eine klingende Länge von etwa fünf Metern und gehört zu dem Register Untersatz 32', die kleinste klingt über etwa acht Millimeter und gehört zu der Sifflöte 1'“, weiß Dominik Haubrichs von der Firma Johannes Klais Orgelbau GmbH. „Dann wird das Gehäuse zurückgebaut, um die Gewölbe darüber sicher zu erreichen.“

 

Zudem werden der Spieltisch und das in der Balustrade befindliche Rückpositiv mit einer Holz und Balkenkonstruktion umhüllt, um Schäden bei den Arbeiten zu vermeiden. Rund die Hälfte aller Pfeifen müssen entfernt werden. „Der verbliebene große Orgelteil wird mit dispersionsoffener Folie verschlossen. Sie lässt die Orgel atmen, verhindert aber, dass Schmutzstoffe eindringen“, erläutert Haubrichs. Der Teilabbau sei keine alltägliche Aufgabe, auch wenn aus Denkmalschutzaspekten heute Orgeln während Kirchensanierungen öfters abgebaut werden.

 

Sorgfalt beim Pfeifenwerk

Wie sorgsam man bei den Einzelteilen vorgehen muss, zeigt sich beim Pfeifenwerk. Das wird zunächst abgebaut. „Damit die originale Intonation erhalten bleibt und um Lagerschäden zu vermeiden, werden die Pfeifen speziell verpackt. Ebenso wichtig ist das Einpacken der Gehäuseschnitzereien. Alles wird speziell katalogisiert, damit beim Zusammenbau wieder alle Teile an ihren alten Ort zurückfinden“, erklärt Haubrichs.

 

Dabei spielt das Material eine entscheidende Rolle: „Etwa ein Viertel aller Pfeifen sind aus Holz, darunter Mahagoni, Kiefer und Eiche. Drei Viertel sind aus einer Zinn-Blei Legierung in verschiedenen Mischverhältnissen. Dadurch erhalten die Register ihren Klangcharakter“, so Haubrichs.

 

Bis zu einer Länge von 40 cm werden die Metallpfeifen stehend in Kisten und Kartons verpackt, damit die Körper der Pfeifen rund bleiben. Das trifft besonders auf die Zinnpfeifen zu. Ansonsten könnten sie sich oval verformen. Die Pfeifen aus dem härteren Kupfer können liegend in Flies eingehüllt gelagert werden. Bleipfeifen müssen mit Handschuhen angefasst werden, um Abdrücke zu vermeiden.

 

Umzugskosten

Die Umzugskosten für alle beweglichen Teile, darunter die große Klais-Orgel, Kirchenbänke und Gemälde, belaufen sich auf rund 500.000 Euro. Hinzu kommen noch Kosten für die Einhausung und Sicherung aller unbeweglichen Stücke.

 

Drei Generationen Klais in der Bonner Münster-Orgel

Auch für die Firma Klais ist die Orgel ein Meilenstein und Mehrgenerationenprojekt. Drei Generationen waren im Bau involviert. „Sie ist ein prägendes Beispiel an Musikinstrument für die Orgelstadt Bonn“, so Haubrichs.  Keineswegs veraltet sei sie dabei, sondern noch immer topmodern: „So wirkt die Fassade mit Schnitzereien und den verschiedenen Pfeifen sowie die Trompeteria sehr lebendig und immer noch zeitgemäß“, stellt Haubrichs fest.

 

Die Firma Johannes Klais Orgelbau GmbH wurde 1882 durch Johannes Klais gegründet. Ihren Sitz hatte sie zunächst auf der Breite Straße, 1894 zog sie in die Kölnstraße um. 1925 führte Hans Klais in zweiter Generation die Firma fort, 1965 stand mit Hans-Gerd Klais der nächste Generationswechsel an. Seit 1995 leitet Philipp Klais die Firma. Mit 53 Mitarbeiter, und 4 Auszubildenden pro Jahr ist sie eine der bekanntesten deutschen Orgelbaufirmen. Zu den jüngsten großen Werken gehöfen die Schwalbennestorgel im Kölner Dom, die Orgel im Peking CH National-Grand-Theater, und die Orgel in der Hamburger Elbphilharmonie.

 

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