Münster-Sanierung: Reparaturen müssen 40 Jahre halten

17. September 2015; Reinhard Sentis

Verwitterung durch Feuchtigkeit

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Feuchte-Schäden und Moosbefall Zu harter Mörtel zerstört den weichen Tuff Moose und Pflanzen sorgen für zusätzliche Probleme Rostende Nägel und Schrauben sprengen den Stein

BONN. Die Außensanierung des Bonner Münsters hat sich als größte Maßnahme der dringend notwendigen Generalsanierung erwiesen. Architekt Prof. Dr. Ulrich Hahn (Helten+Helten) aus Aachen formuliert als Sanierungsziel eine Reparatursicherheit von mindestens 25, besser von 40 Jahren. Zwar müssten, so der planende Architekt, nicht alle entdeckten Fassadenschäden sofort beseitigt werden. Es mache jedoch auch an den Stellen Sinn, wo dies nur über teure Gerüstbauten möglich ist, auch wenn der Zustand noch für die nächsten zehn bis 15 Jahre akzeptiert werden könne.

 

Alle Maßnahmen der Fassadensanierung werden eng mit der Denkmalpflege der Stadt Bonn abgestimmt. Abschließende Entscheidungen sind erst möglich nach Ende der Untersuchungen und der Reinigung der Fassaden: Architekt Hahn: „Dann erst haben wir ein differenziertes Schadensbild“.

 

Bei der im Januar 2014 begonnenen Gebäudeanalyse wurden bislang 22 verschiedene Steinsorten gefunden, die seit dem Baubeginn vor fast 1000 Jahren verbaut wurden.

  • Harte Gesteine für tragende Bauteile – verschiedene Sorten Trachyt für Säulen, Eckausbildungen, Gesimse, Bögen, bzw. Linzer Basalt für Sockel; Ursprünglich war Drachenfelser Trachyt mit seinen sehr charakteristischen Einschlüssen (Sanidine) verbaut.
  • Weiche Gesteine für Flächen – verschiedene Tuffsteine: rosa Römertuff; gelblicher, sehr homogener Weiberner Tuff; Ettringer Tuff mit groben Einschlüssen.
  • Kalksteine für besondere Schmuckelemente (gute Bearbeitbarkeit).
  • Darüber hinaus in Kleinstflächen verschiedene Sandsteine, Basaltlava und Blaustein.
  • Wertvolle Besonderheit: Kalksintersäulen (Chorumgang) – sie wurden aus den dicken Kalkablagerungsschichten der römischen Wasserleitungen gewonnen und haben eine marmorähnliche Oberfläche.
  • Die Vulkangesteine stammen überwiegend aus dem Siebengebirge (Drachenfels), der Eifel und dem Westerwald.
 

Die bisherigen Erkenntnisse wurden durch optische Begutachtung, Abklopfen der Flächen, Kernbohrungen sowie Laboranalysen des Materials gewonnen. Sie geben Aufschluss über Struktur, Umfang und Ausmaß der Schäden, Salz und Feuchtigkeit im Gemäuer. Zurzeit werden diese Erkenntnisse in eine Materialkartierung übertragen. Die Materialpläne geben u.a. Auskünfte über notwendige Sanierungsmethoden und erlauben Einblicke in die Schadensanfälligkeit. Die Dokumentation verspricht auch neue Erkenntnisse für die Denkmalpflege und damit für die Geschichtsschreibung des Bonner Münsters.

 

Auslösung der umfangreichen Mauerwerksuntersuchungen an der Grabeskirche der Märtyrer Cassius und Florentius war eine Erstuntersuchung vor einem Jahr. Damals wurden bei einer eintägigen Hubsteigerberfahrung der Ost- und Nordseite erhebliche Schäden entdeckt, vor allem am Turm. Ein Warnzeichen war auch der Absturz eines großen Konsolsteins vom Südwestturm, der zum Glück keine Schäden verursachte. Beide Ereignisse lösten nun tiefergehende Untersuchungen aus.

 

Ein Schöpfungsbau für alle niederrheinischen Chöre - "Der Neubau des 1153 geweihten Münsterchores darf, nach fast 100 Jahren baukünstlerischer Stagnation im Rheinland, als Schöpfungsbau für alle niederrheinischen Chöre - insbesondere der von Köln, bis um 1210/20 bezeichnet werden. Hinter dieser Form der „staufischen Klassik“ steht eine unmittelbare Verbindung zur römischen Antike, wie sie uns im Kolosseum und am Marcellustheater in Rom besonders deutlich vor Augen tritt. Das am Bonner Chorbau erstmals entwickelte System des Übereinanders zweier Säulenordungen steht somit am Beginn der großartigen Kölner „Etagenchöre“, wie von St. Gereon, Groß St. Martin, St. Aposteln, St. Kunibert.“ 

Prof. Dr. Gisbert Knopp zur Bedeutung der Ostapsis

  

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