Neues Kapitellchen am Bonner Münster

Frühburgunder aus dem Hause Brogsitter mit Palmetten-Kapitell
19. Oktober 2017; Sebastian Eckert (sebastian.eckert@katholisch-bonn.de)

BONN. Das Bonner Münster hat eine lange Weintradition zurück. Daran erinnert die Stiftslese der Bonner Münster-Stiftung. Jetzt wurde die neue Edition vorgestellt. Ein Frühburgunder von der Ahr unter dem Namen Kapitellchen.

 

Wein blickt am Bonner Münster auf eine lange Vergangenheit zurück: Seit dem 17. Jahrhundert steht im Bonner Münster ein Altar, der dem Heiligen Urban, dem Patron der Winzer gewidmet ist, der sogenannte Krippenaltar – übrigens ein Geschenk der Weinbergpächter. Er erinnert bis heute an das Bonner Cassius-Stift, welches im Mittelalter eines der bedeutendsten und reichsten Stifte im gesamten Rheinland war. Es besaß Weinberge an Ahr, Rhein und zeitweise auch an der Mosel.

 

Der bedeutendste Propst war Gerhard von Are, der im 12. Jahrhundert das Münster erweitern ließ. Dabei entstand auch der Kreuzgang. Er ist der einzig vollständig erhalten romanische Kreuzgang nördlich der Alpen. Die fast 900 Jahre alten Kapitelle der kleinen Säulen dort geben dem Rotwein seinen Namen: Kapitellchen.

 

Die diesjährige Abfüllung, ein Spätburgunder von der Ahr, ziert ein „Palmetten-Kapitell“. Die Palmette war bereits in der babylonischen Kunst gebräuchlich. Im antiken Griechenland wurde die Palmette seit dem 8./7. Jahrhundert v. Chr. als eine der häufigsten Zierformen verwendet. Die Palmette erinnert an eine Hand mit gespreizten Fingern oder an das Blatt der Fächerpalme. In der assyrischen Vorstellung hatte die Palmette die Rolle des Lebensbaumes inne. Die Karolingische Kunst übernahm um 800 aus der nur wenige Jahrhunderte zurückliegenden Spätantike die Palmette. Die Romanik hat diese Schmuckform übernommen.

 

Ein Wein aus dem Haus Brogsitter

Der feine Frühburgunder-Wein aus dem Hause Brogsitter stammt von den besten Lagen des Ahrtals. „Eine autochthone Rebsorte, die wir in unserem Weingut rekultiviert haben“, erläutert Hans Joachim Brogsitter. „Äußerst niedrig im Ertrag und diffizil im An- und Ausbau, der im Eichenfass erfolgt.“

 

Der Frühburgunder ist eine der seltensten Rebsorten der Welt. Seine Herkunft verdankt der Frühburgunder einer Mutation aus dem Blauen Spätburgunder. Er stammt also aus der Familie der echten Burgundersorten (Pinot).

 

Im Weingut Brogsitter wird bei den Burgundersorten ein zweistufiges Säuremanagement angewendet. Die erste Stufe besteht aus einer deutlichen Ertragsreduzierung in Kombination mit einer späten Lese. Geringer Ertrag bedeutet eine frühere und bessere Reife, was zu einem weitgehenden Abbau der Äpfelsäure führt. Der zweite Schritt erfolgt im unmittelbaren Anschluss an die alkoholische Gärung. Hier werden durch die malokatische Gärung die noch vorhandene Äpfelsäurereste teilweise zur weichen Milchsäure umgesetzt. Das Ergebnis ist ein feines Gewächs mit zarter Kraft.

 

Die Stiftslese 2017 kann bei der Firma Brogsitter bestellt werden https://www.brogsitter.de/brogsitter-kapitellchen-stiftslese-ahr-fruehburgunder oder im Bonner Münster-Laden (Gerhard-von-Are-Straße 1, 53111 Bonn). Eine Flasche gibt es ab 12,95 Euro. 1,50 Euro davon fließen an die Bonner Münster-Stiftung.

 

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