Stellungnahme des Stadtdechanten und Münster-Pfarrers Msgr. Wilfried Schumacher zur bevorstehenden Generalsanierung des Bonner Münsters

18. September 2014; Bonner Münster

„Denk ich ans Münster in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht!“ möchte ich ein bekanntes Wort von Heinrich Heine etwas abgewandelt zitieren. Die Ergebnisse, die die gründlichen Analyse-Arbeiten von Dr. Aegidius Strack bisher erbracht haben, zeigen mir zu meinem Entsetzen: was wir mit bloßem Auge bisher gesehen haben, ist doch schlimmer als wir es ahnten. Hier geht es nicht nur um eine kosmetische Behandlung, - hier muss grundlegend saniert werden!

 

Unser Bonner Münster ist in Gefahr. Der Zustand ist zwar noch nicht dramatisch, aber besorgniserregend, wie die Fachleute uns sagen. Deswegen wir müssen jetzt mit aller notwendigen Sorgfalt die Probleme angehen. Dazu wird der Kirchenvorstand alle notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten. Die grundlegende Analyse und Bestandsaufnahme ist dabei nur der erste wichtige Schritt.

 

Schon seit einigen Jahren ist uns bewusst, dass über 30 Jahre nach der letzten Renovierung dringend notwendige Arbeiten anstehen. Auslöser war die Tatsache, dass die heutige Beleuchtung nicht mehr ausreicht. Hatte ich anfangs noch geglaubt, es sei mit einigen Sanierungsmaßnahmen getan, so muss ich heute sagen, dass dies nicht ausreichen wird!

 

Als gebürtiger Bonner weiß ich, dass das Münster zu dieser Stadt gehört – das sagen auch viele nichtkatholische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Das zeigen die vielen Besucherinnen und Besucher, die tagsüber manchmal nur für eine kurze Stippvisite oder für ein Gebet im Vorübergehen die Basilika aufsuchen.

 

Könnten die Steine des Münsters sprechen, könnten sie von Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen eines ganzen Jahrtausends erzählen. Unsere Basilika ist wahrlich ein Haus Gottes für die Menschen in unserer Stadt und weit darüber hinaus.

 

Als Pfarrer dieser Kirche weiß ich, dass ich mich der großen Herausforderung einer umfassenden Generalsanierung stellen muss. Ich fühle mich den vielen Generationen vor mir verpflichtet, die immer wieder das Münster aufgebaut haben, wenn es durch Kriege, Belagerungen und Plünderungen, die unsere Stadt im Laufe Geschichte heim gesucht haben, mehr oder weniger beschädigt wurde. Einschneidend war dabei vor allem der große Bombenangriff auf Bonn vor fast genau 70 Jahren, als nicht nur das Münster stark zerstört wurde, sondern auch viele Menschen obdachlos wurden oder ums Leben kamen.

 

Bei der Sanierung geht es nicht nur um rein konservatorische Maßnahmen. Wir müssen uns auch fragen, was müssen wir tun, um den Anforderungen der Menschen auch heute gerecht zu werden. Hierüber möchte ich gerne mit den Menschen, die zu uns zum Gottesdienst kommen, in ein offenes Gespräch eintreten.

 

Für mich ist das Münster die Mitte und die Wurzel unserer Stadt. Von hier aus ist das mittelalterliche Bonn gewachsen. Das werden wir bewahren für die Zukunft. Auch die Kinder und Enkelkinder unserer heutigen Besucherinnen und Besucher sollen hier einen Ort finden, der ihrer Seele gut tut.

 

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