Bericht des Projektplaners, Dr. Ägidius Strack, zum Stand der Voruntersuchungen, 18.09.2014

Allgemeines

Dokumentation

Erster Schritt im Rahmen der umfassenden Bestandsaufnahme war die Dokumentation des Ist-Zustandes. Dazu wurden fast 10.000 Photos von allen zugänglichen bzw. einsehbaren Bauteilen gefertigt.

 

Archivrecherche

Parallel zur Bestandsaufnahme am Objekt wurde eine institutionsübergreifende Archivrecherche durchgeführt, um insbesondere Baudokumente (Pläne, Berichte, Abrechnungen) aus der Nachkriegszeit zu sichten. (Abgeschlossen ist die Archivarbeit im Münsterarchiv und im Planarchiv des LVR).

Die in der Vergangenheit durchgeführten Sanierungsmaßnahmen und Umbauarbeiten sind in Teilen nachvollziehbar. Für die anstehenden Arbeiten ist die Kenntnis über die vormals eingesetzten Materialien und Verfahren von großer Bedeutung.

 

Plansituation

Die vorgefundenen Pläne genügen weder den Anforderungen zur weiteren Bearbeitung noch einer adäquaten Dokumentation im Rahmen der Bauforschung.

Es wird daher kurzfristig erforderlich, eine weitere Vermessungskampagne durchzuführen, welche den gesamten Baukörper umfasst (Grundrisse, Schnitte, Ansichten innen und außen). Stand der Technik ist das Laserscanning-Verfahren.

 

 

Schäden

Rissschäden

An vielen Stellen im Kirchengebäude zeigen sich Risse unterschiedlicher Ausprägung - von Putzrissen bis hin zu Rissen im statischen Gefüge. Die markantesten Rissschäden verlaufen in den Außenmauern und Gewölben von Lang- und Querhaus, in den Turmzonen und äußeren Umgängen mit Einzelweiten bis zu 5mm. Auch in der Fundamentierung und in den Chorbereichen zeigen sich deutliche Risse.

Im Westen der Kirche sind die Rissbreiten am größten. Es stellt sich u. a. die Frage, warum die Schäden nicht gleichmäßig verteilt sind. In diesem Zusammenhang ist es bislang auch ein Rätsel, warum die nachträglich eingebauten Stahlbeton-Ringbalken im Traufniveau des Querschiffs nicht kraftschlüssig fertig gestellt wurden: Die jeweilige Anschlussbewehrung liegt frei! In einigen Bereichen liegt die Vermutung nahe, dass nicht oder nur unzureichend reparierte Kriegsschäden auch heute noch eine Rolle spielen könnten.

Im Laufe der Untersuchungen tauchen immer wieder neue Probleme auf.

Insbesondere die bauteildurchschlagenden Risse geben Anlass zur Sorge und werden in den kommenden Tagen und Wochen tragwerksanalytisch näher untersucht - auch mittels einer Hubsteigerbefahrung zu den höher liegenden Bauteilen innen und außen.

Parallel werden einzelne Risszonen mit funkgesteuerten Monitoren ständig überwacht.

 

Schäden an den Fassaden

Während vom Boden aus betrachtet vergleichsweise geringe Schädigungen ins Auge fallen, finden sich in den oberen Fassadenbereichen durchaus stärker ausgeprägte Schadensbereiche: In manchen Mauerwerkspartien sind sie besorgniserregend.

Insbesondere am Querhaus (Schwerpunkt Nordseite) nebst den äußeren Umgängen haben sich flächig und entlang von Risszonen Fugen gelöst - was kurzfristig auch größere Steinschäden am dortigen Tuffsteinmauerwerk nach sich ziehen kann.

An Säulen, Kapitellen, Turmgesimsen und weiterer Bauzier treten zudem defekte Natursteine hervor, die dringend näher untersucht (und ggf. gesichert) werden müssen, um einem Herabfallen von Steinen/Steinteilen vorzubeugen.

Auch hierzu sind Fassadenbefahrungen mit einer Hubbühne notwendig. Im gleichen Zuge werden auch die Seitendächer begutachtet, von denen sich immer wieder einzelne Schiefer lösen.

 

Feuchteschäden in der Kirche

Zwar geht von den vorhandenen Feuchteschäden eine geringere Gefahr für die Grundsubstanz des Gotteshauses aus, doch sind sie besonders augenfällig, da die Feuchtigkeit Putz und Anstrich der Raumschale für jeden sichtbar angreift.

Die bisher durchgeführten Feuchtigkeitsmessungen haben überraschende bzw. ad hoch nicht erklärbare Ergebnisse ergeben und müssen zumindest bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen wiederholt werden, um etwa annähernd zuverlässige Aussagen treffen zu können.

Erste Ursachen sind erkannt: Defekte Anschlüsse in den Entwässerungsleitungen führen zu erheblichem Wassereintrag bei jedem stärkeren Regen. Deshalb müssen auch die Grundleitungen mit einer Kamerabefahrung in Augenschein genommen werden.

Andererseits hat man in den letzten Jahrzehnten einige Maßnahmen ergriffen, um insbesondere das Aufsteigen von Feuchtigkeit aus dem Boden zu reduzieren. Dabei sind in den materialgläubigen Zeiten der 1950er bis 1970er Jahre verschiedenste Techniken - auch unter Einsatz von Chemikalien - appliziert worden, welche sich heute als nicht beständig, aber gleichermaßen auch irreversibel erweisen. Der Umgang damit wird eine besondere Herausforderung darstellen.

 

Elektrotechnische Anlagen

Die elektrotechnischen Anlagen im Kirchengebäude sind über die Jahrzehnte (weitestgehend undokumentiert) „gewachsen“ und genügen durchweg nicht den nutzungs- und sicherheitstechnischen Anforderungen nach dem Stand der Technik. Viele Anlagenteile und Kabelnetze sind deutlich älter als ihre rein technische und wirtschaftliche Lebensdauer. Sie sind auch nicht nachrüstbar, da es bestandsadäquate Bauteile nicht mehr gibt.

Bezüglich der elektrotechnischen Anlagen und deren Installationen besteht dringender Handlungsbedarf. Dazu genügt es nicht, einzelne Geräte bzw. Leitungen auszutauschen - es muss vielmehr die gesamte Stromversorgung erneuert werden.

 

Heiztechnische Anlagen

Die bestehende Kirchenheizungsanlage ist technisch veraltet, energetisch unwirtschaftlich und weist gravierende Mängel im Bereich des Lüftungsgeräts, der Brandschutzklappen und der Luftkanäle auf. Die Mineralfaserisolierung befindet sich in Auflösung. Es ist außerdem davon auszugehen, dass zumindest die älteren Brandschutzklappen asbesthaltig sind.

Eine vollständige Sanierung der Kirchenheizungsanlage und eine energetische Optimierung des gesamten Systems sind unumgänglich.

 

Resümee

Aufgrund der ernstzunehmenden Probleme besteht dringender Handlungsbedarf! Insbesondere die Rissschäden, die Schäden im Mauerwerk und die maroden haustechnischen Installationen machen eine alsbaldige Sanierung unumgänglich.