Schäden und Maßnahmen

Schadensbilder

Die Schadensbilder lassen sich in verschiedene Kategorien zusammenfassen

  • Diverse Oberflächenschäden durch Verwitterungen, Schalen- und Krustenbildung durch Umwelteinflüsse mit mehr oder weniger gravierenden Gefügeschäden in den Gesteinen.
  • Mechanische Schäden wie Ausbrüche, Rostsprengungen
  • Rissschäden mit (!) und ohne statische Relevanz.
  • Schäden durch untereinander unverträgliche Materialien, etwa zu harter Fugenmörtel bei weichen Tuffsteinen.
  • Fehlende oder nicht mehr funktionierende Wasserableitung an Fensterbänken und Gesimsen.
  • Offene Fugen, durch die Wasser in den Mauerwerksquerschnitt eindringt und Steinschädigungen zur Folge hat.
  • Hohllagen sowohl in der Fläche als auch bei Konsolen, Gesimssteinen usw. durch nicht ausreichende Einbindung und falschen Einbau ins Mauerwerk.
  • Materialschäden, die zum Teil auf Materialermüdung, falschen Einbau oder Vorschädigungen zurückzuführen sind.
  • Verschobene Bauteile, etwa an den Säulen am Turm.

 

Deutlich wird hierbei, dass ein großer Teil der Fassaden, besonders im Bereich der Verfugungen, stark in Mitleidenschaft gezogen ist.

 

Festlegung der Maßnahmen - Bestandserhalt ist oberste Maxime

Die erforderlichen Maßnahmen werden in einem Maßnahmenplan dargestellt, um für Kosten, Ausschreibung und Ausführung detaillierte Vorgaben für eine Sanierung zu schaffen.  Die Festlegung der Maßnahmen erfolgt in enger Abstimmung mit Denkmalpflege, Fachplanern, Restauratoren und Fachfirmen und wird im gesamten Planungs- und Ausführungsprozess weiterentwickelt.  Als oberste Maxime gilt die denkmalpflegerische Maßgabe des Substanzerhalts. Weiteres Ziel ist es, das Gebäude für die nächsten rund 40 Jahre instand zu setzen.  Jede Schadensart erfordert andere Maßnahmen, die von einfacher Reinigung über Abbürsten losen Materials bis zum Austausch von Steinen reicht.

Bei gleichem Schadensbild können je nach Ort und Lage aber auch unterschiedliche Maßnahmen erforderlich sein. So werden beginnende Schäden an der Turmspitze sinnvollerweise im Zuge der Generalsanierung bearbeitet, während man im Sockelbereich, wo keine aufwändige Einrüstung erforderlich ist , den Schadensfortschritt beobachten und die Behebung auch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben könnte.

Die endgültige Festlegung der Maßnahmen geschieht im Bauprozess, da nach Reinigung der Fassaden sich oft nochmals ein differenzierteres Schadensbild abzeichnet.

 

Oberflächenschäden

Oberflächenschäden wie Absandungen, Schalen- und Krustenbildung, Flechtenbewuchs sind in allen Fassadenbereichen zu finden. Nach einer schonenden Reinigung mittels Wasserdampf wird loses Material abgebürstet. Übergänge müssen mit verträglichem Steinersatzmaterial angearbeitet werden.

Insbesondere am Drachenfelser Trachyt sind zum Teil erhebliche und tiefgehende Verwitterungsschäden zu beobachten, besonders die Säulenschäfte an den Türmen und Eckquaderungen. Dies führt zu statischer Schwächung der Bauteile. In den meisten Fällen müssen die stark beschädigten Bereiche, etwa an den FußpunktenFüßen der Säulenschäfte, durch Vierungen ersetzt werden. In Einzelfällen ist ein Steinaustausch unumgänglich.

 

Schäden durch fehlende Wasserableitungen und offene Fugen

Wesentliche Ursache für zahlreiche Schäden ist die nicht ausreichende oder fehlende Wasserableitung sowie offene Fugen an Gesimsen und Vorsprüngen. Wasser bleibt stehen oder dringt in den Stein hinein. Das führt zu Ausschwemmung von Salzen, Frostsprengung und Verwitterungsschäden. Dadurch wurden insbesondere die Gesimse an den Türmen stark geschädigt.  Offene Fugen müssen geschlossen, eine gute Wasserableitung muss gewährleistet werden. Gerissene Steine ohne ausreichenden Einbund werden ausgetauscht, möglicherweise werden Tropfkanten angebracht. Statische Ursachen haben durch den gesamten Wandquerschnitt laufende Risse, etwa im Bereich des Obergadens im Langhaus und im Bereich der Ostapsis. Die Risse werden verpresst. Zur Behebung der Rissursachen sind stabilisierende Maßnahmen erforderlich.

 

Materialermüdung oder Materialfehler

Insbesondere der Römertuff ist teils am Ende der Lebensdauer, was sich in sog. Krakeleerissen zeigt. Im Zusammenhang mit zu hartem Fugmörtel sind diese Steine nicht mehr zu retten und müssen ausgetauscht werden. Durch das Abklopfen der Fassaden wurden zahlreiche Hohllagen entdeckt. Besonders problematisch sind hohl liegende vorstehende Bauteile wie Konsolen und Gesimse, die herunter fallen können. Ein Beispiel ist der Steinschlag, der die Untersuchungen auslöste. Solche hohl liegende Flächen müssen vernadelt und hinterfüllt werden. Hohl liegende Konsolen und Gesimssteine werden, falls möglich, gesichert. Bei den meisten Konsolen, zumindest an den Türmen, ist ein Austausch und fachgerechter Einbau erforderlich, da in vielen Fällen auch Materialfehler Ursache sind.

 

Taubenvergrämung

Die Taubenvergrämung an weiten Teilen des Gebäudes wurde in den 90er Jahren falsch angebracht. Sie wurden unsachgemäß montiert, und es wurde ungeeignetes Material genutzt. Die Folgen sind fatal: Ausbrüche und Rostsprengungen sind vor allem durch die rostenden Schrauben der Halterungen und durch korrodierte Verankerungen entstanden. Die Volumenvergrößerung des oxidierenden Eisens führt zum Platzen des Steins. Ähnliche Wirkung hat eindringendes und gefrierendes Wasser. Nötig ist die vollständige Entfernung und Erneuerung der vorhandenen Taubenvergrämungsmaßnahmen. Geschädigte Steine werden behandelt oder ausgetauscht werden.

 

Verfugungen

Die Verfugungen sind bei einem großen Teil der untersuchten Fassaden schadensträchtig. In weiten Bereichen der Tuffflächen ist das verwendete Fugmaterial nicht abgestimmt auf den weichen Stein, ist etwa zu hart. Die Steine weisen flächendeckend mehr oder weniger ausgeprägte Kantenabrisse auf. Kurz- oder mittelfristig wird dies zu einer Rückwitterung des Steins führen.

In größeren Bereichen, etwa an Turm, Querhaus und Apsis , ist diese Rückwitterung bereits erfolgt. Eindringendes Wasser bleibt stehen und schädigt das Steingefüge. Die Fugen müssen ausgekappt, stark geschädigte Steine ausgetauscht und anschließend neu verfugt werden.

Ähnliches gilt für defekte mineralische Ausbesserungen. Diese sind lose, oftmals ist der darunterliegende Stein im Gefüge geschädigt. Die Ausbesserungen werden abgenommen, das geschädigte Steinmaterial zurückgearbeitet. Je nach Material, Zustand und Situation wird der  Stein entweder nur so bearbeitet, dass eine gute Wasserableitung gewährleistet ist, oder die mineralische Ausbesserung wird erneuert. In Einzelfällen wird eine Vierung gesetzt.

Im Sockelbereich sind Werksteine falsch versetzt, was zu Wasserschäden im Inneren führt. Die Sockelbereiche müssen teils neu versetzt werden.

 

Schadensverteilung

Wie zu erwarten, weisen die (exponierten) Türme die meisten und auch gravierendsten Schäden auf. Gesimse, Schmuckelemente und Wandflächen sind hier zum Teil in einem kritischen Zustand.

Die Verfugungen der Tuffflächen sind fast im gesamten untersuchten Bereich problematisch und haben schon zu Rückwitterungen und Gefügeschäden an den Steinen geführt. Die geringsten Schäden sind an der wettergeschützten Südseite im Kreuzgang zu verzeichnen. Hier sind abgesehen von der durchgehend bestehenden Fugenproblematik überwiegend nur Oberflächenschäden festgestellt worden.

 

Zwerggalerien, Innenwände und Gewölbe

Auch die Zwerggalerien an der Ostapsis sowie den Querhäusern weisen neben den kartierten Fassadenschäden vor allem in den Gewölben und den Rückwänden Risse und zum Teil erhebliche Oberflächenschäden aus. Die Risse haben statische Ursachen, Anker müssen gesetzt werden.

Die verwitterten Innenwände der Zwerggalerien unter anderem der Querhäuser müssen bis auf den gesunden Stein abgearbeitet werde, in Teilen ist auch ein Steinaustausch erforderlich. Im Anschluss werden die Flächen geschlämmt.

 

Schalllamellen

In allen Türmen sind Schalllamellen angebracht. Sie weisen Zersetzungen und Fäule auf und sind teilweise falsch eingebaut. Eine Erneuerung ist nötig.

 

Statische Sicherungen

Einer der wichtigsten Punkte für die Sanierung ist die statische Sicherung zum Erhalt der Kirche. Die umfangreichen Rissschäden, die im Innen- und Außenbereich an Gewölben und Wänden sichtbar sind, haben statische Ursachen. Um die zu beheben, sind umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich:

Verankerungen der Langhaus- und der Ostchorwände

Ringanker an den Zwerggalerien den Querhäusern und der Ostapsis

Fertigbau Ringanker Dach nördliches Querhaus

Verankerungen Westwerk

Verankerungen Vierungsturm

 

Im Anschluss an die Sicherungsmaßnahmen werden die Risse verpresst und geschlossen. In Bereichen von Wand- und Deckengemälden sowie dem Deckenmosaik sind daher auch aufwändige restauratorische Arbeiten erforderlich. Sämtliche Maßnahmen werden mit der Denkmalbehörde abgestimmt.

 

Innensanierung

Auch im Innenbereich sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich, die die Behebung statischer Defizite (Risssanierung), die Renovierung sämtlicher Oberflächen sowie restauratorische Maßnahmen an den Malereien und der sakralen Ausstattung umfassen.

 

Vorbereitende Maßnahmen und Schließung des Bonner Münsters

Die Orgel muss für die Arbeiten in Teilen demontiert und fachgerecht eingehaust werden. Feste Ausstattung wie Altäre werden ebenfalls mit einer Schutzkonstruktion versehen, lose Ausstattung wie Bilder, Figuren und Bänke werden von Fachfirmen eingelagert. Das gesamte Bonner Münster wird über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren geschlossen, bis die Arbeiten beendet sind.

 

Restauratorische Arbeiten

Die Wandmalereien in den Querschiffen und im Hochchor sowie das Deckengemälde in der Apsis sind im Wesentlichen in gutem Zustand. Die Malereien werden gereinigt und Fehlstellen ausgebessert. Im Bereich von Rissen werden die Maßnahmen je im Einzelfall festgelegt.

Der Zustand des Apsismosaiks kann erst nach Einrüstung festgestellt werden. Augenscheinlich sind keine größeren Schäden oder Risse sichtbar. Das Mosaik wird gereinigt und, falls erforderlich, ausgebessert. Im Zuge der weiteren Abstimmungen ist festzulegen, ob eine Gesamtbestandsaufnahme des Mosaiks erfolgen soll. Die Bodenmosaike im Hochchor weisen hingegen Fehlstellen und Rissschäden auf, die ausgebessert werden müssen.

Altäre und Sakramentshaus werden fachgerecht gereinigt. Eine Restaurierung der Ölgemälde ist nicht vorgesehen. Deren Zustand sollte im weiteren Planungsprozess begutachtet werden.

 

Maßnahmen Ostkrypta

Die Ostkrypta wurde bereits 2006 teils saniert. Teile der Wandflächen wurden zur Behebung von Feuchteschäden mit einem Sanierputz versehen, die Säulenbasen wurden entsalzt. Die zum damaligen Zeitpunkt durchgeführten Maßnahmen waren wirksam, es sind zumindest in diesen Bereichen keine neuen Schäden aufgetreten.

Trotzdem wurden teils Ausblühungen im Boden entdeckt, an den seitlichen Natursteinbänken und an den Säulenbasen gibt es sichtbare aufsteigende Feuchtigkeit. Sie sind mit vertretbarem Aufwand nicht zu beheben. Absandende Stellen werden daher abgebürstet. In Einzelfällen können auch Entsalzungsmaßnahmen erforderlich sein.

Die Oberflächenschicht des Bodenbelags muss abgenommen und beschädigte Platten ausgetauscht werden. Putz- und Anstrichschäden aus alten Feuchteeinträgen werden ausgebessert und ein neuer Anstrich aufgebracht.

 

Maßnahmen Treppenerschließungen

Osttürme und Vierungsturm sind zurzeit unzulänglich erschlossen. Einzelne Ebenen sind nur über lange Leitern erreichbar. Schäden wurden kartiert, ein Vorschlag für Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet, die im Zuge der Sanierung umgesetzt werden sollen. Wo möglich werden die vorhandenen Treppen erhalten und ggf. repariert.

Im Vierungsturm wird die Leitererschließung in den Glockenstuhl (unterste Ebene) durch eine Treppe ersetzt. Bei den regelmäßig erforderlichen Wartungsarbeiten an den Glocken ist die Verbesserung der Zugangssituation in diesem Fall sinnvoll und notwendig.

Eine Treppenerschließung in den Osttürmen auf allen Ebenen wäre nur mit sehr aufwändigen Eingriffen möglich und nicht vertretbar.

 

Haustechnische Installationen

Ein wahres „Bild des Schreckens“ gibt es bei den haustechnischen Installationen, insbesondere der Elektrik. Das Fazit dort: Veraltet, falsch verlegt und vor allem längst nicht mehr sicher. So gibt es teils Stromkabel ohne Isolierung. Schaltanlagen entsprechen teils keiner Vorschrift, Leitungen liegen offen.

Weil mit Nachbesserungen oder Austausch einzelner Gerätschaften bzw. Leitungen der Gesamtzustand der Technik nicht fachgerecht hergestellt werden kann, muss die gesamte Elektrotechnik erneuert und neu aufgebaut werden.

Die Kirchenheizung muss saniert werden. Im Detail bedeutet dies eine Erneuerung des Heizgeräts, eine Sanierung der Betonluftkanäle, eine neue Isolierung der Anlagenteile sowie eine Automatisierung der Anlage.

Für die gesamten Arbeiten und die Trassenführung der haustechnischen Installationen sind bauliche Eingriffe in Boden und Wänden erforderlich.

Die im Kirchenraum bestehenden Installationsgräben werden auch für die künftige Trassenführung genutzt, müssen aber in Anschlussbereichen ergänzt werden. Die dafür erforderlichen Bodenöffnungen und Herstellung der Gräben müssen archäologisch begleitet werden. Im Bereich des südlichen Westturms wird ein Steigeschacht für die Trassenführung Elektro bis ins Dach geführt.

Die Trassenführung zwischen neuem Elektro-Hausanschlussraum und den vorhandenen Schächten in der Kirche erfolgt im Außenbereich durch den Kreuzganghof. Auch hier ist mit archäologischen Funden zu rechnen und eine entsprechende Genehmigung und fachliche Begleitung erforderlich. Der Denkmalschutz ist in alle Bereiche eingebunden.

 

Beleuchtung

Wie zu Beginn beschrieben, ist die Lichtsituation in der Kirche nicht mehr zeitgemäß. Nur maximal 30 Lux erreichen die Besucher an den Kirchenbänken. Gerade für viele Menschen mit schlechteren Sehfähigkeiten ist es daher kaum mehr möglich, das Gotteslob zu entziffern.Zudem gibt es Schwierigkeiten, geeignete Leuchtmittel zu finden.

 

Raumakustik

Ebenso gibt es bei der Raumakustik Verbesserungsbedarf. Die Anlagen entsprechen nicht mehr den Standards, sind zudem nicht ausreichend im Sinne der Barrierefreiheit.

Auch fehlen Induktionsschleifen im Bonner Münster vollständig.

 

Kreuzgang & Stiftsgebäude

Die Sanierungsmaßnahmen im Kreuzgang beschränken sich auf die Fassaden, den erdgeschossigen Umgang und ggf. den Kapitelsaal. 

Die Fassadenschäden der Kreuzgangwände betreffen überwiegend Fugen in Tuffsteinbereichen. Hier gibt es wie bei der Kirche Abrisse und Hohllagen; der Zustand ist aber noch nicht gravierend. Da eine Einrüstung hier weniger aufwändig ist, könnte der Zustand auch weiter beobachtet und die Maßnahme zu einem späteren Zeitpunkt ausgeführt werden. Dies hätte aber innerhalb der nächsten 10 Jahre eine erneute Einrüstung und Wiederherstellung des Hofes zur Folge.

Auch im Kreuzgang müssen große Teile der Fugen erneuert werden. Im Sockelbereich und an den Stützpfeilern müssen Schalenbildung an den Trachytquadern und offene Fugen repariert werden. Zudem gibt es Feuchteschäden und teils hohl liegenden Putz. Dies bedarf noch einer genaueren Untersuchung. Wände und Gewölbe werden in Teilen neu verputzt und gestrichen.

Die kreuzgangseitigen Dachflächen des südlichen und östlichen Kreuzgangflügels müssen zustandsbedingt neu gedeckt und die Stirnseiten der Gauben neu verkleidet werden. Die Fledermausgauben im Westflügel erhalten ebenfalls neue Stirnbretter.

An den Innenwänden des Kreuzgangs und Teilen der Gewölbe sind zum Teil erhebliche Feuchteschäden erkennbar. Der Putz liegt in Teilen hohl. Ursachen der Feuchteschäden müssen näher untersucht werden.

In den Kellerbereichen um den Kreuzgang werden im Zuge der Sanierung ein großer Teil der Installationen erneuert und ergänzt und die haustechnischen Zentralen zum Teil verlegt.